Die ca. 500 ha großen Niederungsflächen der Hörnerau sind Kernbestandteil eines mehrere tausend ha umfassenden zukünftigen Vorranggebiets für Naturschutz zwischen Itzehoe - Lägerdorf - Westerhorn und Hörnerkirchen in den Kreisen Pinneberg und Steinburg.
Die Hörnerauniederung gehört zu einem Tieflandauensystem, das von kleineren Bächen aus dem Geestrandbereich um Bokel, Brande-Hörnerkirchen und Westerhorn gespeist wird und in die Störniederung östlich von Itzehoe einfließt.
Die nacheiszeitlich entstandenen, moorigen und anmoorigen, heute weitgehend künstlich entwässerten Böden werden vorwiegend als Mäh- und Weidegrünland mit zunehmender Intensität genutzt.
Größere Moorkomplexe - parzellenweise ebenfalls als Grünland bewirtschaftet - befinden sich im Westen und Nordosten (Winselmoor, Breitenburger-, Hohenfelder Moor, Tütigmoor). Industrieller Torfabbau wird derzeit noch im Breitenburger Moor betrieben.
Die Moore beherbergen Restvorkommen typischer Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Waldschnepfe, Sonnentau, Glockenheide, Moosbeere oder Moorfrosch. Die weitläufigen Wiesenbereiche sind heute noch Heimat für bedrohte Vogelarten wie Rohr-und Wiesenweihe, Weißstorch, Uferschnepfe, Kiebitz, Brachvogel, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Feldlerche und Sumpfrohrsänger.
Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg bei Naturschutzmaßnahmen
ist die langfristige Verfügbarkeit von Flächen, am besten durch Ankauf.
Seit 1984 hat sich der NABU in diesem Sinne in der
Hörnerauniederung engagiert und bisher etwa 100 ha Flächen erwerben können.
Daneben ist auch die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Besitz
von gut 150 ha Eigenland. Weitere Flächenankäufe durch beide
Institutionen sind vorgesehen.
Aktuell hat auch die Hansestadt Hamburg Ausgleichsflächen für die
vorgesehene Erweiterung des DASA-Geländes in HH-Finkenwerder
erworben. Diese stehen für Naturschutzzwecke allerdings noch
nicht zu Verfügung.
Finanzielle Unterstützung für den Flächenankauf findet der NABU dabei
vor allem durch Mittel des Kreises Pinneberg. Weiterhin beteiligen
sich die Stiftung Naturschutz und der Kreis Steinburg mit
erheblichen Zuschüssen.
Als beispielhaft gilt zudem das Engagement einiger
Wirtschaftsunternehmen. Hier ist in erster Linie die
Flensburger Brauerei zu nennen, der vor allem der Schutz des
Weißstorches eine Herzensangelegenheit ist. Diese Art ist mit
8-10 Paaren im Gebiet der Hörnerau noch zu Hause. Weitere
Institutionen aber auch viele Privatpersonen haben sich
zudem dankenswerterweise mit Spenden beteiligt.
Der Eigenbesitz von Flächen versetzt den NABU in die Lage, einleitende Maßnahmen zur Regeneration der Moore und Tieflandauen vorzunehmen. Dies geschieht auf der Grundlage anerkannter, wissenschaftlicher Erkenntnisse, wobei vergleichbare Projekte als Vorbild dienen.
Neben der schonenden und naturverträglichen Bewirtschaftung des Grünlandes steht die Wiederherstellung und Neuanlage typischer Auengewässer wie Tümpel, Weiher oder Blänken im Vordergrund. Stellenweise ist mit dem Rückbau begradigter Bachläufe begonnen worden. Anstaumaßnahmen in den Mooren dienen der Rückhaltung von Regenwasser und sorgen für eine allmähliche Wiederbelebung dieses seltenen Landschaftstyps.
Nachzudenken ist mittel- bis langfristig zudem über den Aufbau einer zentralen Einrichtung, von der die Bewirtschaftung der wachsenden Flächen gesteuert, die regionale Produktvermarktung organisiert, Prozessentwicklung und Artenschutzmaßnahmen begleitet sowie Naherholungseinrichtungen betreut werden.
Als Folge des Einstiegs in das Hörnerauprojekt im Jahre 1984 ist es dem NABU Elmshorn gelungen, diesem Projekt nach und nach einen immer größeren Bekanntheitsgrad, vielfache Unterstützung und zunehmende regionale und überregionale Anerkennung zu verschaffen.
Im Gebiet selbst verringert sich auf einem ständig wachsenden Flächenanteil der Eintrag von naturunverträglichen Schadstoffen (Dünger, Pestizide). Die Qualität von Grund-und Oberflächenwasser, Boden und Luft verbessert sich zunehmend.
Die extensive Bewirtschaftung des Grünlandes (späte Mahd, maßvoller Weideauftrieb) schont und stärkt vor allem die dort lebenden Wiesenvogelbestände.So kommen in der Hörnerauniederung noch die größten Populationen von Feldlerche und Wiesenpieper im Kreis Pinneberg vor. Der weitgehend ungestörte Verlauf von Feldmauszyklen stellt Beutegreifern wie Rohr- und Wiesenweihe, Turmfalke, Mäuse- und Rauhfußbussard aber auch Weißstorch und Graureiher ausreichend Nahrungsgrundlagen zur Verfügung.
Durch die Wiederherstellung von Auengewässern sind geeignete Nahrungs-, Rast- und Ruheräume besonders für Limikolen und Enten, Reihern und Störchen entstanden. Als neue Brutvogelarten haben sich Reiher-, Krick- und Knäkente eingefunden. Sumpfrohrsänger, Braunkehlchen und Rohrammer bilden mittlerweile stabile Bestände. Daneben finden Gras-, Wasser- und Moorfrosch ausreichend neue Laichplätze, zahlreiche Insektenformen (bes. Libellen) sind im Sommer zu beobachten und seltene Wasserpflanzen (u.a. Krebsschere, Seekanne, Igelkolben) haben sich angesiedelt.