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Die 37 km lange Krückau entspringt in der Nähe von Kaltenkirchen und entwässert mit ihren Nebenflüssen ein Einzugsgebiet von etwa 274 qkm. Sie verbindet die Naturräume des Kisdorfer Wohlds, des Hamburger Rings sowie der Elbmarschen miteinander und mündet zwischen Kollmar und Seestermühe in die Elbe.
Seit Inbetriebnahme der Großkläranlage in Hetlingen im Jahr 1983 hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. Gewässermorphologische und faunistisch weitgehend naturnahe Bereiche weist der Fluß jedoch nur noch im Oberlauf zwischen Langeln und Heede auf. Im Mittel- und Unterlauf ist die Krückau weitgehend begradigt und ab Elmshorn eine durch die Tide beeinflußte Bundeswasserstraße.
Das Projekt des NABU umfaßt nicht nur den Wasserlauf der Krückau und der Zuflüsse Ekholter Au und Offenau. Der Flußlauf darf nicht für sich allein betrachtet werden, er ist nur Teil eines Ökosystems und untrennbar mit dem gesamten Talraum, der Flußaue, verbunden.
Durch die besonders in den dreißer Jahren vorgenommene Begradigung der Krückau
mit dem Ziel, die Landschaft zu entwässern und eine möglichst intensive
landwirtschaftliche Nutzung bis an das Flußufer zu ermöglichen, hat
man dem Bach die zugehörige Aue genommen.
Die Krückau und ihre
Nebenflüsse (überhaupt alle Flüsse und Bäche in Deutschland) sahen vor
Beginn der technischen Wasserbaumaßnahmen noch ganz anders aus.
Das Flußsystem nahm damals die ganze Talaue ein. Als weitgehend ungestörtes Fließgewässer
ohne wesentliches Gefälle bildet es natürlicherweise ein System von Flußschleifen
(Mäandern) heraus. Diese entstehen durch Hindernisse im Gewässer. Durch die
sich damit entwickelnde Strömungsdynamik bilden sich steile Prallhänge an
den Außenkurven mit tieferem Wasser sowie sanfte Gleithänge an den Innenkurven
mit langsamer fließendem Wasser heraus.
Fließgeschwindigkeit und Dynamik ändern sich im Gewässerverlauf. Der Wasserabfluß erfolgt insgesamt langsamer und gleichmäßiger mit der Folge, daß Wasser länger im Gebiet gehalten wird, natürliche Überschwemmungen mit weniger Wucht vorkommen und länger anhalten, sowie der Grundwasserspiegel steigt. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist die Landschaft der Flußaue geprägt durch Altarme, Stillgewässer und Tümpel, durch Naß- und Feuchtwiesen, durch Auwälder mit Weichhölzern im flußnahen Niederungsbereich und durch Vertreter der Hartholzaue in den höheren Lagen. Die Fließdynamik des Gewässers, besonders bei Hochwasserständen führt oft zu Veränderungen im Verlauf des Flußbetts. Aus abgeschnittenen Mäandern entstehen Altarme und Stillgewässer sowie im weiteren Verlauf kleinere Sumpfgebiete, Verlandungsmoore etc.. Ziel der Bemühungen muß somit sein, nicht nur den Fluß Krückau selbst zu renaturieren, sondern ihm auch seine ursprüngliche Flußaue zum Atmen zurück zu geben. Es ergibt sich dadurch ein erheblich größerer Projektraum als man, ausgehend von den heutigen Verhältnissen vor Ort, annehmen würde.
Das Entwicklungskonzept für den Bereich Mittlere Krückau baut darauf auf, nicht nur einzelne Arten oder Teillebensräume zu schützen, sondern die ökologische Einheit Flußsystem als Ganzes bei Planungen und Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Dazu ist der Fluß aufgrund seiner natürlichen Verbindungsfunktion auch über den Projektraum hinaus als wesentlicher Teil eines Biotopverbundsystems zu betrachten.
Eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche Naturschutzarbeit ist die langfristige uneingeschränkte Sicherstellung von Flächen für Zwecke des Naturschutzes. Dieses Ziel kann am besten durch Flächenankäufe der Naturschutzorganisationen erreicht werden, erst in zweiter Linie durch langfristige Pachtungen. Dieser Grundsatz liegt auch dem Konzept des NABU zu Grunde.
Auf vorhandenen Flächen sollen in einem ersten Schritt die Uferbereiche
stellenweise mit standorttypischen Gehölzen wie Schwarzerlen, Eschen und
Weiden bepflanzt werden.
Dort, wo geeignete Standorte vorhanden sind,
kann sich aus dieser Initialpflanzung dann durch Aussamung ein dichter
Uferbegleitsaum, ein Auwald, entwickeln. Durch diese Maßnahme wird
der Nährstoffeintrag aus angrenzenden Nutzflächen minimiert. Die
Gewässergüte wird sich darüber hinaus durch die mit der Beschattung
erreichte Abkühlung verbessern. Die Durchwurzelung des Ufers und des
ufernahen Gewässerbetts sowie in das Flußbett eingetragenes Totholz,
Treibsel etc. haben positive Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften
im und am Wasser. Es entsteht ein strukturreiches Gewässerbett mit
einer abwechslungsreichen Strömungsdynamik und somit einer Vielzahl
unterschiedlicher Lebensräume.
Damit der Fluß seine Aufgabe als natürliche Verbindungsachse in einem Biotopverbund erfüllen kann, ist die Durchgängigkeit des Gewässers von der Quelle bis zur Mündung sehr wichtig. Verbauungen in den Zuflüssen, besonders aber die Wehre in Elmshorn und Barmstedt, sind daher zu beseitigen und durch Sohlgleiten zu ersetzen.
Die Entwicklung der Krückau vom derzeit begradigten Flußlauf zurück zu einem mäandrierenden Gewässer könnte technisch relativ problemlos aber mit immens hohem Kostenaufwand betrieben werden. Derartige Aktionen können jedoch eine natürliche Entwicklung nur unzureichend ersetzen. Kosten und Erfolg stehen hier meistens in keinem angemessenen Verhältnis. Eine natürliche Entwicklung ist daher der technischen Variante vorzuziehen und durch geeignete Maßnahmen in Gang zu bringen und zu unterstützen. An hierfür geeigneten Stellen sollten ehemalige, heute verschüttete Mäander wieder geöffnet werden und der Zugang zur Au wiederhergestellt werden. Darüber hinaus können Kleingewässer in Flutmulden in Flußnähe und Blänken in der Niederung angelegt werden um auch die Talaue ökologisch aufzuwerten und z.B. Laichgewässer für bedrohte Amphibien zu schaffen. Die Entwicklung von Auwaldbereichen, z.B. aus den Uferrandbepflanzungen, wird als Teil einer natürlichen Fortentwicklung angestrebt und, wo möglich, gefördert.
Eine ungesteuerte Sukzession des Projektgebiets mit dem Ergebnis und
Fernziel eines die ganze Talaue einnehmenden Auwaldes wird nicht
angestrebt. Die Wiesenlandschaft mit ihrer charakteristischen Fauna
und Flora soll erhalten bleiben. Dazu ist eine extensive Beweidung bzw.
eine einmalige späte Mahd vorgesehen. Basierend auf Untersuchungen der
Universität Höxter zum Einfluß von Weidegängern auf die natürliche Vegetation,
wie sie in vorgeschichtlicher Zeit bestand, wird derzeit an einer
Fortschreibung und Aktualisierung unseres Konzeptes gearbeitet. Es wird in
Anlehnung an natürliche Gegebenheiten durch extensive Beweidung mit
verschiedenen Arten und Rassen von Weidetieren (Rinder, Pferde, Schafe etc.)
die Entwicklung einer halboffenen Weidelandschaft angestrebt.
Dann erscheint auch die Bestandserhaltung bzw. Wiederansiedlung gefährdeter
Arten wie Schwarzstorch, Eisvogel, Fischotter und Biber bei Umsetzung des
Gesamtkonzepts realistisch.
Seit nunmehr etwa 10 Jahren, in den letzten 3 Jahren zunehmend intensiver, wird an der Umsetzung des Konzepts gearbeitet. Die Zwischenbilanz kann sich unserer Meinung nach sehen lassen. Bisher konnten fast 30 ha Fläche, fast immer direkt an der Krückau oder an einem der Nebenbäche, von uns erworben werden. Auf den eigenen Flächen an der Krückau, aber auch an von uns betreuten städtischen oder gemeindeeigenen Flächen am Krückauwanderweg, wurden Tausende von Erlen gepflanzt und Weiden gesteckt, ein "grünes Band", welches den Fluß beschattet und den Uferbereich prägt. Da der Wasser- und Bodenverband derzeit noch eine Gewässerräumung für unumgänglich hält, konnte über eine teils beidseitige Bepflanzung noch kein Einvernehmen erzielt werden. Ein Auwald wurde auf einer an der Ekholter Au gelegenen Fläche von ca. 2,5 ha angepflanzt. Die Erlen, Weiden, Ahorn und Ulmen gedeihen gut und haben teils schon eine recht stattliche Größe erreicht.
In der Krückauniederung wurden ab 1992/93 die ersten Blänken angelegt. Im Februar 1998 wurde ein Altarm der Krückau nahe Barmstedt wieder freigelegt. Bei den Erdarbeiten kam ein alter eichener Steg zum Vorschein.
Die vorerst umfangreichsten Maßnahmen mit Erdbewegungen in einem Umfang von etwa 3000 m³ erfolgten im Frühjahr 1999. An verschiedenen Stellen unseres Projektraums wurden vier große Blänken und Flutmulden angelegt und ein Graben aufgeweitet.
Die positive Wirkung derartiger Maßnahmen läßt sich an der
Entwicklung einer vor ca. sechs Jahren auf einer Blänke der sog.
Grippkoppel ablesen.
Durch die Aufhebung der Drainage vernäßt
die Wiesenfläche zunehmend. Seggengesellschaften breiten sich aus, die
Vielfalt der Pflanzenarten nimmt zu und liegt derzeit bei 101 Arten
einschließlich sechs Rote Liste Arten
(Pflanzenbestand 2000).
Die Blänke wird regelmäßig, zur Zeit noch auf
dem Zuge, von Waldwasserläufer, Flußuferläufer
Schwarzstorch und verschiedenen Entenarten aufgesucht. Es brüten
im Bereich der Blänke die Rohrammer, im umliegenden Gebiet Kiebitz,
Sumpfrohrsänger, Neuntöter und Feldlerche. Graureiher und
Weißstorch sind regelmäßiger Gast, denn neben Art und
Umfang der Insekten hat auch die Zahl der Amphibien zugenommen. Diese
Entwicklung läßt es realistisch erscheinen, daß einige
der genannten Arten dieses Gebiet auch wieder als Brutrevier annehmen bzw.
wieder in zunehmender Zahl erfolgreich brüten werden.
Der Schutz und die Entwicklung der am Ufersaum gepflanzten Erlen und Weiden
hat sich, soweit diese Pflanzungen in den siedlungsfernen Wiesenflächen
der Krückauniederung erfolgten, als nicht immer befriedigend erwiesen.
Grund hierfür sind die teils extremen Fegeschäden durch das Rehwild.
Die Anpflanzungen wurden daraufhin im Frühjahr 1999 parzellenweise
eingezäunt. Der Erfolg dieser Maßnahme ist bereits jetzt erkennbar.
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Im August 1996 wurden vom LANU Empfehlungen zum integrierten Fließgewässerschutz herausgegeben. Diese decken sich weitgehend mit dem vom NABU erarbeiteten Konzept und stellen eine willkommene Hilfe bei der Umsetzung dar, zumal die Krückau dort als ein zu renaturierendes Fließgewässer aufgeführt ist.
Das im Sommer 1998 vom Umweltministerium vorgestellte Investitions- und Förderprogramm zur Regeneration der Fließgewässer soll helfen, diese Empfehlungen umzusetzen. Man rechnet dabei für das Flußsystem der Krückau mit Kosten von etwa 25 Millionen DM.
Aufgabe wird es nun sein, in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, Gemeinden, Verbänden und Behörden ein Konzept umzusetzen, das dem Fließgewässersystem Krückau und damit der Natur zugute kommt. Dabei setzt der NABU sich verstärkt für die rasche Erstellung eines Umsetzungskonzeptes ein, damit die notwendigen nächsten Schritte, nämlich der Flächenankauf, Gestaltungsmaßnahmen sowie die rasche Beseitigung der künstlichen Hindernisse (die Wehre in Elmshorn und Barmstedt) schnell umgesetzt werden können.