Gibt es überhaupt noch Chancen für den Schutz der Natur im dichtbesiedelten
Kreis Pinneberg?
Eindeutig ja - so die Antwort des NABU Elmshorn anlässlich des zehnjährigen Jubiläums
des Naturschutzprojekts "Krückautal" zwischen Barmstedt und Elmshorn.
Zehn Jahre Einsatz für die Natur - das bedeutet vorrangig Ausschau halten nach
geeigneten Flächen für den Naturschutz. Hier hat der NABU einige Erfolge
vorzuweisen, denn bislang konnten knapp 40 ha Feuchtgrünland, Auwald und Obstwiesen
an Krückau, Ekholter Au und Offenau für den Naturschutz bereitgestellt werden.
Unterstützung findet der NABU dabei in erster Linie vom Kreis Pinneberg, der
Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein aber auch von privaten Sponsoren wie der
Flensburger Brauerei.
Ziel ist es, die teilweise erschreckenden Bilanzen unseres heimischen Naturhaushaltes wieder aufzubessern. Die Wiederansiedlung der für Flussauen so typischen Vogelarten wie Weiß- und Schwarzstorch, Eisvogel, Kiebitz und Bekassine gehören dazu. Als Fernziel ist auch an den Fischotter und den Biber gedacht, die hier wieder heimisch werden sollen.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sich die Krückau und ihre Nebenbäche wieder zu naturnahen Fließgewässern entwickeln können. Dazu hat der NABU eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen und teilweise schon verwirklicht. Als ein Knackpunkt dürfte sich dabei die Beseitigung sogenannter Fließhindernisse wie z.B. das Stauwerk an der Rantzauer Mühle bei Barmstedt erweisen. Doch erst bei vollständiger Durchlässigkeit des Fließgewässers können die zahlreichen wandernden Kleintiere, aber auch Fischarten wie Meer- und Bachforelle, Neunauge und Hasel oder auch der Flusskrebs wieder genügend Lebensräume finden.
Große Bedeutung kommt daneben der Renaturierung der Flussauen zu: Vor ihrer Kultivierung waren diese durchzogen von einer Vielzahl kleiner Flutrinnen, von Altarmen, Stillgewässern und Auentümpeln. Der ständige Wechsel von Steilufern, Sandbänken und Schlammflächen mit kleinen Gehölzen, Schilf- und Binsenhorsten und fruchtbaren Feuchtwiesen war typisch. Ein Eldorado also für eine ungemein vielfältige Flora und Fauna, besonders für Amphibien und Reptilien.
Der heutige Zustand steht in hartem Kontrast dazu:
intensiv genutzte Grünland- und Maiskulturen bestimmen vielerorts das Bild und es
gibt daher wenig Platz für die Entwicklung natürlicher Vielfalt.
Mit der Neuschaffung von Auengewässern, der Teilbepflanzung von Uferbereichen
und der Anlage von Feldgehölzen versucht der NABU auf seinen Flächen neue
Akzente dagegen zu setzen, um zumindest einen Teil unserer verlorenen Arten-
und Landschaftsvielfalt zurückzubringen. Damit der für eine Naturlandschaft so
typische, nischenreiche Wechsel von offenen und halboffenen Strukturen entstehen
kann, setzt der NABU auch Weidetiere, wie Rinder, Schafe oder Pferde ein.
Als recht gut geeignet haben sich dabei Robustrassen wie Heidschnucken oder
Schottische Hochlandrinder erwiesen. Langfristig denkt der NABU auch an den
Auftrieb weiterer Weidetierarten wie Konikpferde, Exmoore-Ponys oder Heckrinder,
mit denen anderenorts gute Erfahrungen in der Landschaftspflege gemacht wurden.
Positiv bewertet wird vom NABU zudem ein weiterer Aspekt des Krückauprojekts.
Eine ökologisch orientierte Bewirtschaftung der Auen kann auch ökonomische
Vorteile bringen:
so weist Bernhard Rösicke, stolzer Besitzer der auf den NABU-Flächen grasenden
Schottischen Hochlandrinder, darauf hin, dass das Fleisch dieser Tiere garantiert
rückstandsfrei ist, weil sie in ihrem Leben außer Wasser, Gras, Kräutern
und einer Handvoll Äpfel nichts anderes bekommen haben. Ein in Zeiten von BSE
und Hormonskandalen nicht zu unterschätzender Vorteil für die Vermarktung des
Fleisches, das unter dem Gütezeichen "Besenbeker Robuste" im Elmshorner
Nachbarort verkauft wird.